Living apart together: Paare mit zwei Wohnungen
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Living apart together, kurz LAT, heißt: Ihr seid ein festes Paar, habt aber zwei Wohnungen. In Deutschland lebt so etwa jede achte Person zwischen 18 und 49 Jahren, und gut jede zwanzigste ab 43. Für die Jüngeren ist es meistens eine Phase vor dem Zusammenziehen, für viele Ältere eine bewusste Entscheidung. Hier steht, was die Daten zeigen und welche Fragen ihr euch stellen könnt, wenn ihr selbst so lebt.
Die Zahlen kommen aus zwei großen deutschen Befragungen: dem Familienpanel FReDA (2021, über 20.000 Menschen von 18 bis 49, ausgewertet vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung) und dem Deutschen Alterssurvey (2023, 4.992 Menschen ab 43, ausgewertet vom Deutschen Zentrum für Altersfragen). Beide zählen jedes Paar mit getrennten Haushalten, egal ob fünf Minuten oder fünf Stunden dazwischenliegen. Beide beobachten nur. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
Wie viele Paare leben living apart together?
Von den 18- bis 49-Jährigen haben 12,6 % eine feste Beziehung und wohnen getrennt. Rechnet man nur die, die überhaupt in einer Beziehung sind, sind es 17,6 %.
Das Alter macht einen großen Unterschied:
- 18 bis 24 Jahre: 28,9 % leben in einer Beziehung mit zwei Wohnungen, nur 18,3 % mit dem Partner zusammen. In diesem Alter ist getrennt wohnen also häufiger als zusammen wohnen.
- 25 bis 29 Jahre: 15,6 % getrennt, 52,0 % zusammen.
- 30 bis 39 Jahre: 8,1 % getrennt.
- 40 bis 49 Jahre: 6,6 % getrennt.
Ab 43 sinkt der Anteil weiter. Der Alterssurvey zählt 10 % bei den 43- bis 55-Jährigen, 5 % bei den 56- bis 65-Jährigen, 4 % bei den 66- bis 75-Jährigen und 2 % ab 76.
Zwei Details aus dem BiB-Bericht: Von den Verheirateten wohnen nur 1,5 % getrennt. Und Paare mit zwei Wohnungen sind im Schnitt etwa drei Jahre zusammen, Paare mit gemeinsamer Wohnung zwölf. LAT ist für viele also der Anfang.
Getrennt wohnen heißt übrigens selten weit weg. 48,1 % brauchen weniger als eine halbe Stunde zum anderen, nur 17,3 % zwei Stunden oder mehr. Für die echte Fernbeziehung gibt es einen eigenen Text: Fernbeziehung Statistik.
Warum Paare getrennt wohnen
Im BiB-Bericht sagen rund 62 %, die Umstände zwingen sie dazu. Die häufigsten Gründe:
- der Job (30,9 %)
- die Wohnungssituation (21,8 %)
- das Geld (19,0 %)
Die übrigen rund 38 % wohnen getrennt, weil einer oder beide es so wollen. Hier ist der häufigste Grund, dass man noch nicht bereit ist zusammenzuziehen (46,2 %). Danach kommt die eigene Unabhängigkeit (28,6 %). Unter 30 sagen 53,9 % der Freiwilligen, sie seien noch nicht bereit. Ab 30 wird die Unabhängigkeit wichtiger (30,6 %).
Sind Paare mit zwei Wohnungen glücklicher?
Kurz: etwas weniger glücklich mit der Beziehung, aber der Abstand ist klein.
Auf einer Skala von 0 bis 10 geben Paare mit zwei Wohnungen ihrer Beziehung im Schnitt 8,21 Punkte, Paare mit einer Wohnung 8,30. Rechnet man heraus, dass die Getrenntwohnenden jünger sind und seltener Kinder haben, wächst der Abstand auf rund 0,35 Punkte. 31,5 % der Getrenntwohnenden haben schon ernsthaft über eine Trennung nachgedacht, bei den Zusammenwohnenden 16,3 %.
Bevor ihr euch davon verunsichern lasst: Junge Beziehungen sind generell wackliger, und die Paare mit zwei Wohnungen sind im Schnitt neun Jahre kürzer zusammen. Die Befragung zeigt, wer wie zufrieden ist. Sie zeigt nicht, dass die zweite Wohnung unzufrieden macht.
Bei der Zufriedenheit mit dem Leben insgesamt liegen Paare mit zwei Wohnungen rund 0,7 Punkte über Singles und rund 0,3 Punkte unter Zusammenwohnenden. Der Abstand zu den Zusammenwohnenden verschwindet fast, wenn man das Haushaltseinkommen berücksichtigt. Wer allein eine Wohnung bezahlt, hat meistens weniger Geld übrig, und das drückt auf die Laune.
Zwei Befunde, die für den Alltag interessant sind: Am zufriedensten mit der Beziehung waren die, die 15 bis 30 Minuten zueinander brauchen (8,3 Punkte), am wenigsten die mit mehr als vier Stunden Weg (8,0). Und die Zufriedenheit stieg mit der Zahl der Treffen pro Woche.
Wer will zusammenziehen?
Knapp 60 % der 18- bis 49-Jährigen mit zwei Wohnungen wollen in den nächsten drei Jahren sicher oder wahrscheinlich zusammenziehen. Bei denen, die wegen der Umstände getrennt wohnen, sind es 71,6 %. Bei denen, die es selbst so gewählt haben, 40,8 %.
Ab 43 sieht es anders aus. Im Alterssurvey wünschen sich 55 % der Menschen mit zwei Wohnungen zumindest ein wenig einen gemeinsamen Haushalt. Zwischen 43 und 65 sind es 62 %. Ab 66 wollen 80 % eher nicht oder gar nicht zusammenziehen. Die Fallzahl ist hier klein (218 Menschen), die Prozente sind deshalb grobe Richtwerte.
Das Bild ist ziemlich klar: Für Jüngere ist die zweite Wohnung meistens ein Wartezimmer. Für Ältere ist sie oft das Ziel.
Was ihr daraus für euch machen könnt
Die Daten sagen nichts darüber, was für euch richtig ist. Sie zeigen aber, wo Paare mit zwei Wohnungen oft unsicher sind: ob es eine Phase ist, wie oft man sich sieht, und wer was bezahlt. Darüber lohnt sich ein ruhiges Gespräch, bevor einer von euch es mit einem Vorwurf anspricht.
Fragen, die ihr euch heute Abend stellen könnt:
- Ist das für dich eine Phase oder die Form, in der du leben willst?
- Was gibt dir deine eigene Wohnung, das du nicht verlieren willst?
- Wie oft in der Woche wollen wir uns sehen, damit es sich für uns beide gut anfühlt?
- Wer fährt meistens zu wem, und ist das für dich in Ordnung?
- Was müsste passieren, damit Zusammenziehen für dich ein Ja wird?
- Wie teilen wir die Kosten, die durch zwei Wohnungen entstehen?
Wenn eure Antworten weit auseinanderliegen, ist das keine Katastrophe. Es ist eine Information, die ihr besser jetzt habt als in drei Jahren. Wenn ihr merkt, dass ihr euch beim Thema Zusammenziehen immer wieder festfahrt, kann eine Paarberatung helfen, die Gesprächsrunde zu sortieren.
Wenn einer zusammenziehen will und der andere nicht
Die BiB-Zahlen zeigen, wie verschieden die Gründe sind: Wer wegen des Jobs getrennt wohnt, will meistens zusammenziehen. Wer freiwillig getrennt wohnt, will es nur in vier von zehn Fällen. In einem Paar können beide Gründe gleichzeitig stecken. Einer wartet auf den Umzug, der andere genießt die eigene Wohnung und hat es nie gesagt.
Das zeigt sich oft an Kleinigkeiten. Einer fragt immer wieder nach Wohnungsanzeigen, der andere wechselt das Thema. Einer lässt seine Zahnbürste da, der andere räumt sie weg. Solche Signale sind leichter zu lesen, wenn ihr einmal offen sagt, wo ihr steht.
Hilfreich ist, die Frage zu teilen. „Willst du mit mir zusammenziehen?" ist groß und kann nur mit Ja oder Nein beantwortet werden. Kleinere Fragen bringen mehr: Was würde dir an deiner Wohnung fehlen? Was macht dir Sorgen, wenn du an einen gemeinsamen Alltag denkst? Was wäre ein Schritt dazwischen, zum Beispiel zwei feste Nächte pro Woche beim anderen? Oft liegt das Problem bei etwas Konkretem, über das sich reden lässt: zu wenig Platz, ein Arbeitsweg, die Angst, die eigene Ruhe zu verlieren.
Wenn ihr den Schritt plant, helfen die Tipps fürs Zusammenziehen. Wenn ihr dauerhaft getrennt wohnen wollt, lohnen sich feste Paarrituale, damit die Nähe nicht vom Zufall abhängt.
Nähe zwischen zwei Wohnungen
Paare mit zwei Wohnungen verpassen vor allem die kleinen Momente: das Gespräch beim Zähneputzen, den Kommentar zur Nachricht des Tages. Eine Frage am Tag ersetzt das nicht, holt aber ein Stück davon zurück. Bei Wir2 bekommt ihr jeden Tag dieselbe Frage, jeder antwortet in seiner Wohnung, wenn es passt, und danach seht ihr beide Antworten und redet darüber.
Quellen
- Rüger, H. & Naderi, R. (2025): Bilokale Paarbeziehungen in Deutschland. Häufigkeit, Gründe und Zufriedenheit. BiB.Aktuell 9/2025. Befragung (FReDA, Welle 1, 2021), über 20.000 Menschen von 18 bis 49. Volltext gelesen.
- Bischoff, L., Hameister, N. & Drewitz, M. (2024): Weder alleinstehend noch zusammenlebend: Living-Apart-Together in der zweiten Lebenshälfte. DZA Aktuell 02/2024. Befragung (Deutscher Alterssurvey 2023), 4.992 Menschen ab 43. Volltext gelesen.
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