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Was macht eine gute Beziehung aus? Was Studien zeigen

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Was eine gute Beziehung ausmacht, zeigt sich in der Forschung vor allem in kleinen Momenten: wie ihr reagiert, wenn der andere etwas Schönes erzählt, ob ihr bemerkt, was er für euch tut, ob ihr ab und zu etwas Neues zusammen macht und ob ihr nachfragt. Unten stehen sieben Befunde aus Studien, jeweils mit Zahlen, Quelle und einer Sache, die ihr heute Abend ausprobieren könnt.

Vorher ein Wort zur Art der Studien, weil es für jede Aussage wichtig ist. Ein Experiment teilt Paare zufällig in Gruppen ein und verändert etwas. Nur so lässt sich zeigen, dass A zu B führt. Eine Beobachtung oder Befragung zeigt, dass A und B zusammen auftreten. Ob A die Ursache ist, bleibt offen. Die meisten Befunde unten sind Beobachtungen, und so sind sie auch formuliert.

1. Wie ihr auf gute Nachrichten reagiert

Shelly Gable und ihr Team haben 2004 untersucht, was passiert, wenn Menschen etwas Gutes erzählen. In einer Tagebuchstudie mit 154 Studierenden erzählten die Teilnehmenden an 70,8 % der Tage jemandem von ihrem schönsten Erlebnis. An diesen Tagen ging es ihnen besser als an Tagen, an denen sie es für sich behielten.

Dann schauten sie auf Paare: 59 unverheiratete Paare und 89 Ehepaare, die im Schnitt seit zehn Jahren verheiratet waren. Wer sagte, dass der Partner auf gute Nachrichten begeistert und interessiert reagiert, war zufriedener mit der Beziehung und fühlte sich näher. Überraschend: Auch ein freundliches, aber lauwarmes „Schön für dich" ging mit schlechteren Werten einher.

Art der Studie: Beobachtung und Tagebuch, keine Ursache belegt.

Heute Abend: Wenn der andere etwas Gutes erzählt, stellt zwei Fragen dazu, bevor ihr selbst etwas sagt. „Wie hast du es erfahren? Was hast du als Erstes gedacht?"

2. Dankbarkeit bemerken

Sara Algoe, Shelly Gable und Natalya Maisel haben 2010 67 zusammenlebende Paare gebeten, 14 Abende lang aufzuschreiben, wie ihr Tag miteinander war. An 39,5 % der Tage berichteten die Teilnehmenden, dass der Partner etwas Aufmerksames für sie getan hatte. Wer an einem Tag Dankbarkeit für den Partner spürte, war am nächsten Tag zufriedener mit der Beziehung. Bei Männern war der Effekt deutlich, bei Frauen knapp. Das Gefühl, dem anderen etwas schuldig zu sein, hatte diesen Effekt nicht.

Eine zweite Studie (Gordon und Kollegen, 2012) befragte Studierende und fragte neun Monate später nach. Wer den Partner zu Beginn mehr wertschätzte, war mit höherer Wahrscheinlichkeit noch mit ihm zusammen. Das beruht allerdings auf 51 Menschen, die an der Nachbefragung teilnahmen.

Art der Studie: Tagebuch und Befragung mit Nachbefragung, Zusammenhänge.

Heute Abend: Sagt dem anderen eine konkrete Sache, die er heute oder diese Woche für euch getan hat, und was sie euch bedeutet hat. Mehr dazu, wie ihr Wertschätzung zeigt, steht bei den Liebessprachen.

3. Neues zusammen erleben

Hier gibt es echte Experimente. Arthur Aron und Kollegen haben im Jahr 2000 Paare ins Labor geholt und zufällig eingeteilt. Die eine Gruppe bekam eine neue, leicht verrückte Aufgabe: Mit Klettband an Handgelenk und Knöchel aneinandergebunden mussten die Paare auf allen vieren über eine Matte krabbeln, über ein Hindernis klettern und dabei ein Kissen transportieren, ohne Hände, Arme oder Zähne. Mit Zeitlimit, weil es einen Preis gab. Die andere Gruppe rollte langsam einen Ball hin und her. Jede Aufgabe dauerte sieben Minuten.

Danach bewerteten die Paare mit der neuen Aufgabe ihre Beziehung besser. In einer Studie mit 63 Ehepaaren auch besser als Paare, die gar keine Aufgabe hatten. Das Ergebnis zeigte sich in mehreren Durchgängen. Gemessen wurde allerdings direkt danach, nicht Wochen später.

Ein älteres Feldexperiment (Reissman, Aron und Bergen, 1993) ließ 53 Ehepaare zehn Wochen lang je anderthalb Stunden pro Woche etwas unternehmen. Paare mit aufregenden Unternehmungen (Konzerte, Wandern, Tanzen, Skifahren) waren danach zufriedener als Paare mit nur angenehmen (Freunde besuchen, Kino, Essen gehen). Gegenüber Paaren ohne besondere Unternehmungen war der Unterschied nicht deutlich.

Art der Studie: Experimente mit Zufallszuteilung.

Heute Abend: Macht zehn Minuten lang etwas, das ihr noch nie zusammen gemacht habt und das ein bisschen Einsatz braucht. Ein Rezept ohne Anleitung, ein Puzzle gegen die Uhr, ein Weg durch ein Viertel, das ihr nicht kennt. Wenn es euch zu Hause langweilig geworden ist, findet ihr mehr Ideen unter Beziehung langweilig.

4. Zusammen lachen

Laura Kurtz und Sara Algoe haben 2015 71 Paare gefilmt, während sie etwa vier Minuten lang erzählten, wie sie sich kennengelernt hatten. Im Schnitt lachten die Paare dabei 3,55 Mal gemeinsam, jedes Mal etwa anderthalb Sekunden. Paare, die länger gemeinsam lachten, bewerteten ihre Beziehung insgesamt besser und fühlten sich einander näher und unterstützter. Mit einzelnen Werten wie Zufriedenheit oder Leidenschaft hing das gemeinsame Lachen für sich genommen nicht zusammen.

Die Autorinnen schreiben selbst: Es kann genauso gut sein, dass Paare, die sich nahe fühlen, einfach öfter zusammen lachen.

Art der Studie: Beobachtung.

Heute Abend: Erzählt euch gegenseitig, wie ihr euch kennengelernt habt, jeder in seiner Version. Genau diese Aufgabe kam in der Studie vor, und meistens gibt es an mindestens einer Stelle zwei sehr verschiedene Erinnerungen.

5. Nachfragen

Karen Huang und Kollegen haben 2017 Fremde 15 Minuten online chatten lassen. Einige wurden gebeten, viele Fragen zu stellen, andere wenige. Wer mit einem Menschen sprach, der viele Fragen stellte, mochte ihn danach mehr: 5,79 gegenüber 5,31 Punkten auf einer Skala bis 7. In Daten aus Speeddatings bekamen Menschen, die mehr Folgefragen stellten, häufiger eine Zusage für ein zweites Date. Die Teilnehmenden selbst rechneten nicht damit, dass Fragen sympathischer machen.

Das ist Forschung mit Fremden, keine mit Paaren. Der Kern passt aber zu jeder Beziehung: Eine Rückfrage zeigt, dass du zugehört hast.

Art der Studie: Experiment (Chat) und Beobachtung (Speeddating).

Heute Abend: Wenn der andere etwas erzählt, stellt eine Folgefrage, bevor ihr von euch erzählt. „Und dann?" reicht oft.

6. Tiefer reden als gewohnt

Michael Kardas, Amit Kumar und Nicholas Epley haben 2022 in einer Reihe von Experimenten Fremde über flache oder tiefe Themen sprechen lassen. Die Leute erwarteten, dass tiefe Gespräche unangenehmer würden, als sie tatsächlich waren, und fühlten sich danach verbundener als gedacht. Bei Gesprächen mit Partnern, Freunden oder Familie schätzten sie das Ergebnis besser ein.

Für Paare heißt das: Die Hürde ist bei euch kleiner als zwischen Fremden. Ihr wisst eher, dass der andere zuhört. Wir kennen von dieser Studie nur die Zusammenfassung, deshalb nennen wir keine Zahlen.

Heute Abend: Tauscht eine Alltagsfrage gegen eine tiefere. Statt „Wie war die Arbeit?" zum Beispiel „Worüber hast du dieses Jahr deine Meinung geändert?" Mehr davon in den Deep Talk Fragen.

7. Ausgeschlafen streiten

Amie Gordon und Serena Chen haben 2014 zwei Studien veröffentlicht. In der ersten schrieben 78 Menschen in Beziehungen 14 Tage lang Tagebuch. Nach schlechten Nächten berichteten sie mehr Streit, auch wenn man den Streit vom Vortag berücksichtigte. In der zweiten führten 71 Paare im Labor ein Streitgespräch. Am besten lösten die Paare den Konflikt, wenn beide gut geschlafen hatten. Schon ein müder Partner reichte, damit es schlechter lief.

Art der Studie: Tagebuch und Beobachtung, junge Teilnehmende, kleine Effekte.

Heute Abend: Wenn einer von euch schlecht geschlafen hat, verschiebt das schwierige Thema auf morgen. Sagt es offen: „Ich bin heute zu müde für dieses Gespräch, morgen Abend?"

Was diese Befunde gemeinsam haben

Fast alles oben passiert in wenigen Minuten: eine Reaktion auf gute Nachrichten, ein Danke, eine Rückfrage, eine Geschichte, über die ihr lacht. Keine Studie sagt, dass ein einzelner Abend eine Beziehung rettet. Viele zeigen aber, dass solche kleinen Momente bei Paaren, denen es gut geht, häufiger vorkommen.

Ein Weg, sie regelmäßig in den Alltag zu holen, ist eine Frage am Tag. Bei Wir2 antwortet jeder für sich, die Antwort des anderen seht ihr erst danach, und dann redet ihr darunter weiter. Das ist ein guter Moment für eine begeisterte Reaktion oder eine Rückfrage. Getestet hat diese Form allerdings niemand. Und wenn eines eurer Probleme das Handy selbst ist: Was Studien zu Phubbing zeigen, steht in einem eigenen Text.

Quellen

Wenn ihr einen kleinen festen Anlass für solche Momente sucht, probiert Wir2 drei Tage kostenlos aus, ohne Zahlungsdaten.

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